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Europa sucht neue Quellen für Seltene Erden

September 2020 | Markt

Bohrturm

Deutschland und die EU sind abhängig vom Ausland, nicht zuletzt bei Seltenen Erden und Technologiemetallen. Globale Produktionsausfälle und unterbrochene Lieferketten haben das in den letzten Monaten auch der breiten Öffentlichkeit sehr deutlich gemacht. Dass das Problem keineswegs neu ist, zeigt die regelmäßig veröffentlichte EU-Liste für kritische Rohstoffe (1). Letzte Woche aktualisierte die EU-Kommission die Liste das erste Mal seit 2017 und veröffentlichte sie zusammen mit einem Whitepaper (2), das Eckpunkte der Strategie zur Sicherung von Rohstoffen vorstellt.

Die EU möchte demnach innerhalb der EU, aber auch in Nachbar- und Partnerländern sowie Entwicklungsländern die Förderung und Verarbeitung von Strategischen Metallen ankurbeln. Schon 2025 sollen die ersten Anlagen laufen. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich, denn es gibt noch keinerlei Finanzierung. Dass alle beteiligten Unternehmen die Europäischen Umwelt-und Sozialstandards einhalten sollen, ist natürlich begrüßenswert, wird den Aufbau neuer Anlagen aber mit Sicherheit weder billiger noch schneller machen.

Auch die USA wollen unabhängiger von China werden

Die USA unternehmen aktuell sehr ähnliche Anstrengungen, das ist kein Geheimnis. Die ersten Fördertöpfe sind bereits aufgestellt, eine Handvoll Unternehmen bewerben sich darauf (3). Es geht dabei aber erstmal nur um Gelder für Unternehmensgründungen, Studien oder Probebohrungen. Das Risikokapital zum Bau einer Mine oder Anlage für Seltene Erden, das schnell eine halbe bis eine Milliarde Dollar erreicht, kann auch der US-Haushalt den Unternehmen nicht einfach stellen. Hier wird man auf private Risikokapitalgeber angewiesen sein (4).

Dass die Anstrengungen dies- und jenseits des Atlantiks an der aktuellen Marktsituation – mit dem Quasi-Monopol Chinas in vielen Bereichen – etwas ändert, steht indes nicht zu erwarten. Selbst das vielversprechendste Projekt der USA, die Round Top Mine, wird vielleicht ein Fünftel des US-Bedarfs decken können (5). Auf absehbare Zeit werden Unternehmen in Europa und den USA sich also wohl am besten gegen Störungen absichern können, indem sie lokal die Lagermenge kritischer Ressourcen erhöhen.

(1) eur-lex.europa.eu
(2) ec.europa.eu
(3) reuters.com
(4) nytimes.com
(5) forbes.com

Bohrturm

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