header markt
pfeil blau

Netflix und Space Mining:

Seltene Erden im All

Februar 2022 | Hintergrund

asteroid in space

Das knapper werdende Angebot an kritischen Rohstoffen führt zu immer neuen Rekordpreisen. Der Abbau außerirdischer Ressourcen auf Asteroiden oder Monden wird entsprechen attraktiver, trotz der hohen Kosten für die Raumfahrt. Bereits in den 1970er Jahren kamen erste Überlegungen zum Weltall-Bergbau auf. Die notwendigen technologischen Bedingungen für die Erschließung stehen inzwischen zur Verfügung.

Asteroiden als Billionen schwere Rohstoffparadiese

Besonders erdnahe Asteroiden stehen als potenzielle Rohstofflieferanten im Fokus. Sie enthalten neben Seltenen Erden meist auch Rohstoffe wie Nickel, Kupfer und Gold. Für etliche der über 16.000 Himmelskörper in Erdnähe haben die Forscher per Spektralanalyse schon die Rohstoffvorkommen untersucht und das Bergbau-Potenzial kalkuliert. So soll Psyche 16, ein 210 Kilometer großer Asteroid in der Umlaufbahn zwischen Jupiter und Mars, Erze und Gesteine im Wert von 700 Billionen Dollar enthalten, schätzt die US-Raumfahrbehörde NASA. Der erst vor kurzem entdeckte Asteroid 1986 DA wird von Forschern der American Astronomical Society mit 11,6 Billionen Dollar taxiert. Aufgrund seiner größeren Nähe zur Erde wäre er im Vergleich zu Psyche 16 deutlich leichter und schneller zu erreichen. Aus Sicht der Wissenschaft macht es ihn damit zu einem „möglichen Ziel für den Asteroidenbergbau in der Zukunft“.

Welche Bedeutung Seltene Erden für die Wirtschaft haben, zeigt der Netflix-Film Don’t Look Up, in dem ein Komet von der Größe des Mount Everests auf die Erde zurast. Die NASA und die US-Präsidentin suchen fieberhaft nach Wegen, um die Kollision zu verhindern. So sollen Raketen den Himmelskörper vom Kurs abbringen. Als ein amerikanischer Tech-Milliardär erfährt, dass der Komet Seltene Erden im Wert von mehreren Billionen US-Dollar enthält, bringt er einen Plan vom interstellaren Rohstoffgewinn ins Spiel. Mit Hilfe seiner konzerneigenen Drohnen soll der Komet zerkleinert werden, um sich über die einzelnen Gesteinsbrocken die wertvollen Ressourcen zu sichern. Mit den Argumenten, dass sich dadurch Arbeitsplätze schaffen und die Wirtschaft ankurbeln ließen, findet er bei der Regierung schnell Gehör. Der Komet wandelt sich damit von einer globalen Bedrohung zu einer Hoffnung auf Aufschwung und ökonomische Stärke.

Weltraum-Bergbau für Seltene Erden könnte bald Realität werden

Staaten wie die USA, China und Russland aber auch Luxemburg arbeiten bereits an konkreten Plänen für die Erkundung und den Abbau außerirdischer Rohstoffe. Der Fokus liegt dabei vorerst auf dem Mond. Nach den Vorstellungen der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos und der chinesischen Raumfahrtadministration soll auf dem Erdtrabanten bis 2027 eine Forschungsbasis errichtet werden. Beobachter gehen davon aus, dass dabei Technologien zur Ausbeutung lokaler Rohstoffe und zur Herstellung von Produkten mit 3D-Druck erprobt werden sollen.

Den USA, die aus ökonomischen Gründen ebenfalls zum Mond streben, ist viel daran gelegen, die Erkundung und Ausbeutung der außerirdischen Ressourcen über ein internationales Abkommen zu regeln. Diese sogenannten Artemis Accords sehen vor, dass Regierungen und Privatunternehmen auf dem Mond oder anderen Himmelskörpern Sicherheitszonen errichten dürfen, deren Betreten anderen Parteien untersagt ist. Außerdem regelt der Weltraumvertrag die kommerzielle Nutzung der gefundenen Rohstoffe.

Neben den genannten Supermächten zieht es auch kleinere Staaten wie Luxemburg zum sogenannten Space Mining. Zusammen mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA unterstützt das Großherzogtum Start-ups, die nach technische und ökonomische Lösungen für den Bergbau im Weltraum suchen.

Keine Weltraumforschung ohne Strategische Metalle

Während Regierungen und Wirtschaftsunternehmen prüfen, wie sich außerirdische Rohstoffe gewinnen lassen, nutzen Wissenschaftler Seltene Erden und Technologiemetalle, um das Weltall zu erkunden. So sind Technologiemetalle wie Indium und Tellur in Forschungsinstrumenten für die Astronomie verbaut. Als aktuelles Beispiel ist das James Webb Teleskop, das bislang leistungsstärkste Weltraumteleskop, zu nennen. Ende 2021 wurde es auf seine 1,5 Millionen Kilometer lange Reise in die Tiefen des Weltalls geschickt und hat nach vier Wochen Flugzeit sein Ziel am sogenannten zweiten Lagrange-Punkt (L2) erreicht. Mit dem auf zehn Jahre ausgelegten Forschungsprojekt, an dem die NASA, die ESA und die kanadischen Weltraumagentur CSA beteiligt sind, sollen weitere Erkenntnisse über die Frühzeit des Universums und den Urknall gewonnen werden. Erste Bilder werden im Sommer 2022 erwartet.

 

asteroid in space

Sie möchten mehr über die Welt der Strategischen Metalle erfahren? Stöbern Sie in unseren Branchennews.

Sie wollen eine Auswahl unserer News regelmäßig per Mail? Dann melden Sie sich jetzt zum TRADIUM-Newsletter an.