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Neue Bundesregierung will Klimaschutz deutlich beschleunigen

Dezember 2021 | Hintergrund

Deutsche Flagge
Bild: iStock/hanohiki

Die neue Bundesregierung ist offiziell im Amt, der Koalitionsvertrag besiegelt. Vor allem ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das gemeinsame Regierungsprogramm von SPD, Grünen und FDP: Der Klimaschutz. Der menschengemachte Klimawandel sei „eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, heißt es in dem 177 Seiten starken Vertragswerk. Diese Krise gemeinsam zu bewältigen, biete aber zugleich große Chancen für den Industriestandort Deutschland, für neue Technologien und klimaneutralen Wohlstand. Für die kommenden Jahre hat das Ampelbündnis sich deshalb ehrgeizige Klimaschutzziele gesteckt.

Mehr Tempo, mehr Förderung, weniger Bürokratie

Der Kohleausstieg wird um acht Jahre auf 2030 vorgezogen. Möglich machen soll das ein massiver Ausbau der Erneuerbaren Energien: 80 Prozent des Strombedarfs sollen sie bis 2030 decken. Die EEG-Novelle sah bislang nur 65 Prozent vor. Zudem ist für 2030 geplant, 50 Prozent der Wärme klimaneutral zu erzeugen, so dass auch hier ein hoher Anteil Erneuerbarer Energien benötigt wird. Für ein zügiges Wachstum der grünen Energieträger sollen beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren zum Bau von Windrädern, Netzen und Infrastruktur sorgen. Zur Erzeugung von Solarenergie ist künftig die Nutzung jeder geeigneten Dachfläche vorgesehen. Bei privaten Neubauten werde dies zur Regel, bei gewerblichen sogar verpflichtend.

Ebenso sollen zwei Prozent der Landesflächen für Windenergie ausgewiesen werden. Aktuell sind es nach Angaben des Umweltbundesamtes rund 0,8 Prozent. Ziel ist auch eine erhebliche Steigerung der Kapazitäten für Windenergie auf See: Aus derzeit 7,8 Gigawatt (GW), die ins deutsche Stromnetz eingespeist werden, sollen mindestens 30 GW im Jahr 2030 werden – statt der  bislang vorgesehenen 20 GW.

Bis Erneuerbare Energien die Stromversorgung sicherstellen können, sollen übergangsweise moderne Gaskraftwerke zum Einsatz kommen, umgerüstet auf klimaneutrale Gase wie grünen Wasserstoff. Die Bundesregierung plant, Deutschland bis 2030 zum Leitmarkt für Wasserstofftechnologien zu machen. Außerdem will sie sich für die Gründung einer Europäischen Union für grünen Wasserstoff stark machen.

Auch andere zukunftsfähige Technologien möchten die Ampelparteien fördern. So soll Deutschland zum Zentrum für Forschung, Fertigung und Recycling von Batteriezellen sowie zum globalen Standort der Halbleiterindustrie werden.

Große Pläne hat die Koalition im Mobilitätsbereich: Mindestens 15 Millionen reine Elektroautos bis 2030, eine Million öffentlicher Ladepunkte und eine Stärkung des Schienenverkehrs. Zum Vergleich: In 2021 waren laut Statista erst rund 517.000 Elektroautos in Deutschland unterwegs. Noch vor 2035 sollen in der Bundesrepublik nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge zugelassen werden.

In puncto Digitalisierung ist die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser und dem neuesten Mobilfunkstandard angekündigt. Die Bereiche öffentliche Verwaltung, Bildung und Wirtschaft sollen umfassend digitalisiert werden.

Kein Klimaschutz ohne strategische Rohstoffe

Der Großteil der geplanten Maßnahmen erfordert den Einsatz kritischer Rohstoffe. Permanentmagnete aus den Seltenen Erden Neodym und Dysprosium kommen beim Bau von Elektromotoren und Windkraftanlagen zum Einsatz. Mit Gallium-Arsenid oder Cadmium-Tellurit lassen sich besonders leichte und kostengünstige Dünnschicht-Solarzellen herstellen. Auch Indium-Verbindungen spielen eine wichtige Rolle in der Photovoltaik. Hafnium, Terbium und Tellur sind in der Halbleitertechnologie gefragt. Das Technologiemetall Germanium ist die wichtigste Komponente in Glasfaserleitungen. Platin wird zur Herstellung von grünem Wasserstoff benötigt. Die Nachfrage nach Technologiemetallen und Seltenen Erden könnte also in den kommenden Jahren noch einmal deutlich steigen.

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Bild: iStock/hanohiki

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