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Neue OP-Technik: Neodym-Magnete beheben Speiseröhrendefekt

Dezember 2021 | Innovation

Operation
Bild: iStock/Georgiy Datsenko

Jedes Jahr kommen in Deutschland 200-250 Babys mit einer Fehlbildung der Speiseröhre zur Welt. Bei dieser Ösophagusatresie entwickelt sich kein durchgängiges Hohlorgan vom Mund bis in den Magen, sondern zwei voneinander getrennte, sogenannte „Blindsäcke“. Die Speiseröhre ist unterbrochen, weder Nahrung noch Speichel können den Magen erreichen. Eine lebensbedrohliche Situation für die Neugeborenen, die künstlich ernährt und schnellstmöglich operiert werden müssen. Dabei werden die Blindsäcke geöffnet und zusammengenäht. Kein leichter Eingriff – besonders wenn mehr als fünf Zentimeter Abstand dazwischen liegt. Die Enden müssen dann zunächst unter Spannung zusammengebracht und in einer zweiten OP verbunden werden. Durch die starken Zugkräfte können Narben und Engstellen in der Speiseröhre entstehen, die weitere Operationen nötig machen; eine starke Belastung für Babys und ihre Eltern.

Magneten bringen getrennte Speiseröhre zusammen

Eine ebenso schonende wie innovative Alternative haben Professor Dr. Oliver Muensterer vom Dr. von Haunerschen Kinderspital am LMU Klinikum und Prof. Michael Harrison von der University of California in San Francisco mit ihren Forschungsteams entwickelt. Bei dem Verfahren werden die Blindsäcke in minimal-invasiver Schlüssellochtechnik zusammengebracht und vernäht, allerdings ohne geöffnet zu werden. Das Zusammennähen führt zu einem Wachstum, sodass die Spannung in den folgenden Wochen abnimmt. Mit Endoskopen werden in einem zweiten Eingriff in jeden der beiden Blindsäcke Magneten eingeführt. Sie haben einen Durchmesser von acht Millimetern, bestehen aus Neodym und sind mit einer Goldschicht überzogen. Durch ihre gekrümmte Form drücken die Magneten das zwischen ihnen liegende Gewebe zusammen und lösen es in ein bis zwei Wochen auf. So wird die gewünschte Verbindung zwischen den Blindsäcken geschaffen. Die umliegende Schleimhaut kann langsam weiterwachsen und heilen, was das Risiko für Narben und Engstellen senkt. Sobald sich eine stabile, durchgängige Speiseröhre gebildet hat, scheidet der Körper die Magneten selbstständig aus. 

Firma für kommerzielle Herstellung gesucht

Bislang wurde die Methode erfolgreich bei sechs Neugeborenen in Deutschland und in den USA angewendet, sagte Muensterer gegenüber der Wochenzeitung „Hallo München“. Um sie zu etablieren und in größeren Studien zu testen, suchen die Forschenden nun ein Unternehmen, das die Neodym-Magneten kommerziell herstellt. Leider sei die Produktion aufgrund der Seltenheit von Ösophagusatresie für viele Firmen wirtschaftlich nicht interessant. Es gäbe aber erste Interessenten.

Gleichzeitig denken die Entwickler über weitere Einsatzgebiete nach, denn im Grunde sei das Verfahren „bei allen Hohlräumen im Körper anwendbar, auch bei Erwachsenen“, so Muensterer. In Zukunft könnten also noch viele Patienten von der schonenden neuen OP-Technik mit Neodym-Magneten profitieren.

Operation
Bild: iStock/Georgiy Datsenko

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