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Krieg in der Ukraine wirft Schlaglicht auf die Palladiumversorgung

April 2022 | Markt

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Quelle: iStock/Bet_Noire

Fast 40 Prozent des weltweit geförderten Palladiums stammt aus Russland. Sollte das Land durch weitere Sanktionen aufgrund des Angriffs auf die Ukraine als Lieferant langfristig ausfallen, drohen Versorgungsengpässe bei dem Edelmetall, das vor allem in Katalysatoren Verwendung findet.

Palladium gehört zur Gruppe der Platinmetalle und ist eng mit dem namensgebenden Element Platin verwandt. In der Industrie wird es vor allem zur Beschichtung in Autokatalysatoren eingesetzt, in die laut Statista 85 Prozent der gesamten Palladiumproduktion fließen. Zum Vergleich: Bei Gold sind es elf Prozent und bei Silber 55 Prozent. Weitere Anwendungsgebiete sind die Zahnmedizin mit Beschichtungen für Implantate und die Schmuckindustrie, die das Edelmetall zur Herstellung von Weißgold benötigt.

Südafrika und Russland führen weltweite Palladium-Produktion an

Als Rohstoff kommt das Edelmetall sowohl als reines, sogenanntes gediegenes Metall vor, aber auch als Bestandteil von Mineralien. Da die reinen Palladium-Vorkommen bereits weitgehend erschöpft sind, konzentriert man sich beim Abbau auf die Förderung zusammen mit anderen Metallen wie Nickel, Blei und Kupfer. Weltweit belief sich die Fördermenge 2021 auf ca. 200 Tonnen, berichtet das U.S. Geological Survey. Der Großteil davon stammte mit 80 Tonnen aus Südafrika, dicht gefolgt von Russland mit 74 Tonnen. Dies entsprach einem Anteil vpn 40 Prozent bzw. 37 Prozent. Noch im Vorjahr entfielen knapp 43 Prozent der globalen Palladiumproduktion auf Russland. Diese betrug 2020 geschätzte 93 Tonnen.

Palladium-Förderung weltweit aufgeschlüsselt nach Ländern für das Jahr 2021

Quelle: U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2022

 

Im Palladium-Export dominiert Russland

Russland exportiert große Mengen des Rohstoffs. Im Jahr 2020 lag das Handelsvolumen für das Edelmetall bei 6,4 Milliarden US-Dollar, wie Statista berichtet. Zweitgrößter Exporteur war Großbritannien mit 5,4 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Abnehmern von russischem Palladium zählt neben Japan, China und den USA auch Deutschland. Nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur lieferte die Russische Föderation im Jahr 2020 das Edelmetall mit einem Wert von ca. 600 Millionen Euro an die Bundesrepublik. Dies entsprach knapp einem Fünftel der gesamten Palladiumimporte, bilanziert das Institut der deutschen Wirtschaft.

Die aktuell geltenden Sanktionen, die die EU aufgrund des Ukraine-Konfliktes gegen Russland verhängt hat, betreffen die Rohstofflieferungen nicht direkt. Jedoch hat der London Platinum und Palladium Market (LPPM) Anfang April 2022 zwei staatliche russische Raffinerien von seinen „Good Delivery-Listen“ gestrichen und ihnen damit die Akkreditierung entzogen. Platin und Palladium, die aus den beiden Raffinerien stammen, werden bis auf weiteres nicht mehr auf dem Londoner/Zürcher Bullionmarkt akzeptiert. Damit droht eine Verknappung des Angebots. Darüber hinaus könnte die Versorgung gefährdet sein, da wegen der Luftraumsperrungen Logistikprobleme drohen und die Möglichkeiten im Zahlungsverkehr mit Russland stark eingeschränkt sind. Angesichts dieser instabilen Lieferketten sind die Unternehmen gut aufgestellt, die ihre Rohstoffe über mehrere Quellen beziehen oder über hohe Lagerbestände verfügen.

Reserven decken aktuellen Bedarf, neue Anwendungsgebiete zeichnen sich ab

Die weltweiten Palladiumreserven betragen laut U.S. Geological Survey 100.000 Tonnen. Diese lagern zum Großteil in Südafrika. Der jährliche Bedarf wird für 2022 mit 300 Tonnen prognostiziert, berichtet Statista, wobei ein Fünftel über Recycling etwa von Auto-Katalysatoren gedeckt wird. Grundsätzlich ist damit die Versorgung der Industrie langfristig gesichert, solange es bei der bisherigen Konstellation an rohstoffproduzierenden Ländern bleibt.

Weltweiter Bedarf an Palladium bis 2022

Quelle: Statista.com: Global palladium demand volume 2019-2022

Die Nachfrage nach dem Edelmetall ist in den zwei Pandemiejahren leicht gesunken. Das lag vor allem an der lahmenden Automobilindustrie, die neben einer gesunkenen Nachfrage auch unter der Chipkrise zu leiden hatte. Nach Einschätzungen von Experten wird der Bedarf jedoch wieder steigen. Als Treiber der Entwicklung werden neben der generellen Erholung der Autobranche verschärfte Emissionsstandards mit einer steigenden Nachfrage nach Katalysatoren gesehen. Außerdem zeichnen sich neue Anwendungsgebiete etwa als Wasserstoffspeicher ab, wie das Nachrichtenportal Rohstoff.net berichtet.

Masato Sagawa

Quelle: iStock/Bet_Noire

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