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Seltene Erden: China sorgt für heftige Kapriolen

April 2021 | Markt

Symbolbild Volatilität

„Die Panik um Seltene Erden ist zurück“ titelt das Manager Magazin am 18. Februar. Darunter folgt ein Beitrag über die Auswirkungen Chinas jüngster Muskelspiele auf den Markt der Seltenen Erden. Denn einmal mehr dachte Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie in den vergangenen Wochen auffallend laut über die Einführung neuer Exportbeschränkungen oder –regularien für Neodym, Terbium & Co nach. Das offenbare Ziel: Marktmacht als politisches Druckmittel. Schließlich deckt China nach wie vor rund 80 bis 90 Prozent des weltweiten Bedarfs an Seltenen Erden ab. Und diese Macht setzt es gerne ganz gezielt ein, um der westlichen Welt vor Augen zu führen, wer bei diesem zukunftsträchtigen Thema das Sagen hat.

China kann folglich die weltweiten Märkte wahlweise aufschrecken oder beruhigen – und so rund um den Globus für heftige Kapriolen sorgen: Lieferketten geraten unter Druck, Hersteller von Smartphones, Laptops, E-Autos und Windrädern sorgen sich um Nachschub für ihre Produktionen, die Preisentwicklung für die begehrten Rohstoffe ist volatil.

EU muss Abhängigkeit reduzieren

Entsprechend besorgniserregend ist die Abhängigkeit westlicher Staaten von Chinas Seltenen-Erden-Exporten. Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) bezeichnet es im Handelsblatt Ende Januar als „Alarmsignal“, dass China die Verwaltung einer einzigen Branche jetzt gesetzlich regeln will. Und im gleichen Beitrag fordert Matthias Wachter, Rohstoffexperte beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): „Die Europäer sollten eine nachhaltige Förderung und Weiterverarbeitung durch geeignete Rahmenbedingungen ermöglichen“.

Dafür macht sich nun auch Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger stark. In einem Gastbeitrag im Handelsblatt vom 28. Januar warnt er: „China geht, wie nicht anders zu erwarten, alles andere als zimperlich vor: Mit Exportquoten steuert Peking den Preis Seltener Erden fast nach Belieben.“ Angesichts der Tatsache, dass Seltene Erden insbesondere bei zukunftsträchtigen Dekarbonisierungstechnologien wie E-Mobilität und Windkraft eine große Rolle spielen, zitiert Oettinger den derzeitigen Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, der „zu Recht davor warne, die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energien gegen eine noch größere Abhängigkeit von Seltenen Erden einzutauschen.“ Oettingers Fazit: „Europa muss seine Abhängigkeit von China durch Allianzen, Handelsabkommen und intelligente Recyclingstrategien entscheidend verringern.“ Initiativen wie die im September 2021 von der EU-Kommission ins Leben gerufene Europäische Allianz für Seltene Erden verdienten jede Unterstützung.

Langfristige Anlageform

Bis derlei Initiativen allerdings tatsächlich nennenswerte Früchte tragen, werden wohl noch viele Jahre vergehen. Jahre, in denen immer wieder mit von China gesteuerten Kapriolen am Markt zu rechnen ist. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das vor allem: Seltene Erden sind eine langfristige Anlageform mit teils heftigen und kurzfristigen Preisschwankungen. Der Markt ist zwar durch das klassische Angebot-Nachfrage-System gesteuert, wird aber unterliegt zwischenzeitlich immer wieder politischer Beeinflussung.

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